Erstmalig in diesem Jahrtausend wurden zum 1. Januar 2015 die Richtlinien der Fischerprüfung in Nordrhein-Westfalen überarbeitet. Neben neuen Fragen im theoretischen Teil der Prüfung (einige alte Fragen wurden dafür gestrichen), für die man nun nur noch 60 anstatt 90 Minuten zur Bearbeitung zur Verfügung hat, sind noch fünf weitere Fischarten (nun insgesamt 49 Fisch- und Krebsarten) zur Bestimmung hinzu gekommen: Aland, Zährte, Maifisch, Schnäpel und Kesslergrundel.
Auch beim Zusammenbau der verschiedenen Angelruten gab es kleinere Änderungen.

Da es zwar entsprechende Vorbereitungskurse gibt,  eine Teilnahme in NRW daran aber nicht verpflichtend ist und man letztendlich den Prüfungsstoff selbst lernen muss, kann man die Prüfung mit etwas Planung auch im Selbststudium bestehen und das Geld für den Vorbereitungslehrgang (rund 75 Euro Kursgebühr, Fahrtkosten, Verpflegung, ..) in Angelgerät investieren.
Die Vorbereitunsgkurse haben in der Regel einen Umfang von rund 20 – 25 Stunden. Diese Stundenanzahl sollte man sicherheitshalber auch für das Selbststudium einplanen, wenigstens 4 Wochen vor Prüfungstermin beginnen und sich möglichst täglich mit dem Prüfungsmaterial beschäftigen. Das kleinste Hürde ist der Fragenkatalog der theoretischen Prüfung. Insgesamt gibt es aktuell rund 359 Fragen, die sich auf sechs Fachgebiete verteilen: Allgemeine Fischkunde, Spezielle Fischkunde, Gewässerkunde und Fischhege, Natur- und Tierschutz, Gerätekunde und Gesetzeskunde. In der schriftlichen Prüfung werden jeweils 10 Fragen aus jedem Fachbereich gestellt. Zum Bestehen der Prüfung müssen aus jedem Fachbereich mindestens 6 Fragen und insgesamt mindestens 45 Fragen richtig beantwortet werden.  Bei jeder Frage sind drei mögliche Antworten vorgegeben, wovon immer nur eine Antwort richtig ist.

Aktuell (Frühjahr 2015) besteht zunächst das Problem, dass es aktuell bei Amazon & Co noch keine Lehrbücher gibt, die diese aktuellen Änderungen berücksichtigen.  Die ersten Bücher hierzu erscheinen woh erst im Mai.
Die aktuellen Prüfunsgfragen findet man als Download unter https://recht.nrw.de.
In digitaler Form gibt inzwischen aktualisiertes Prüfungsmaterial.
Nach dem flüchtigen Vergleich der alten und neuen Prüfungsfragen sollte man dennoch bestehen, wenn man im worst case alle neuen Fragen bekommt, alle falsch und die restlichen Fragen richtig beantwortet.
Zudem gibt es  auch bei den neuen Fragen „geschenkte Punkte“.
Ein Beispiel aus der Gesetzeskunde
Frage 68: Welches Messer darf beim Angeln mitgeführt werden?

a) Ein Springmesser mit zweiseitig geschliffener Klinge
b) Ein Fallmesser aus Militärbeständen
c) Ein feststehendes Messer  mit 12 cm langer Klinge

Anders sieht es bei der Fischbestimmung im praktischen Prüfungsteil aus: Dort würde man die Prüfung  nicht bestehen, wenn man nur die neuen Fischarten zur Bestimmung erhält, da man mindestens vier der sechs zu bestimmenden Fischarten richtig bestimmen muss.
Hierfür gibt es vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. für 8 Euro (zzgl. 3 Euro für den Versand) ein aktuelles Bestimmungsheft (Fische in Nordrhein-Westfalen).

Theoretische Prüfungsfragen Fischerprüfung NRW - 2015

Praktischer Teil der Fischerprüfung in NRW

Seit diesem Jahr ist es im praktischen Prüfungsteil generell vorgeschrieben, dass das relevante Angelgerät grundsätzlich zusammen gebaut werden muss, was bei einigen Prüfungsorten ohnehin schon seit Jahren üblich ist.
Unter https://asv-nienborg.de/category/fischerpruefung/praktische-pruefung/ sind die einzelnen prüfungsrelevanten Angelkombinationen aufgeführt. Aktuell  entsprechen sie nicht den aktuellen Änderungen.
Diese sind allerdings recht gering. Die Änderungen sehen u.a. wie folgt aus:

A2 Feederrute (vorher Schwingspitzenrute)

Anstatt der Schwingspitzrute mit ca. 3 Meter Länge gibt es nun eine Feederrute mit ca. 80 Gramm Wurfgewicht, die in der Regel etwas länger ist. Ansatt des Birnenbleies wählt man nun einen kleinen Futterkorb mit ca. 20 Gramm aus.
Hinweis: Ein deutlich schwerer Futterkorb wäre prüfungstechnisch ein Fehler, da dieser ja noch mit Futter gefüllt wird.

A5 Spinnrute für Hechte

Das Stahlvorfach soll auch weiterhin weniger Tragkraft als die Hauptschnur haben, allerdings jetzt 40 cm lang sein: Stahlvorfach, 40 cm . Tragkraft < 11,3 kg

A6 Spinnrute für Barsche

Das Stahlvorfach soll auch hier weiterhin weniger Tragkraft als die Hauptschnur haben, allerdings jetzt ebenso 40 cm lang sein: Stahlvorfach, 40 cm . Tragkraft < 5,4 kg

A10 Brandungsrute

Hierbei besteht die Neuerung aus der Verwendung einer Schlagschnur mit einer Länger von ca. 10 Meter und einer Tragkraft von 10 – 15 kg, die zwischen Hauptschnur und Brandungsvorfach zu knoten ist.

Fischerprüfung in Bonn im Frühjahr 2015

Trotz Verschärfung der Prüfungsrichtlinien in NRW kann man auch weiterhin mit kleinem Aufwand im Selbststudium erfolgreich die Angelprüfung in Nordrhein-Westfalen bestehen. Auch dieses Jahr wurde in einigen Fällen (trotz Lehrgang?) die Prüfung nicht bestanden. Dies lag m.E. aber nicht an den Prüfern, da sie allesamt ausgesprochen freundlich und objektiv aufgetreten sind.
Die häufig gehörte Aussage, dass man nur mit Vorbereitungskurs die Angelprüfung für den Angelschein bestehen könnte und man dafür aber keine Zeit hätte, ist auch weiterhin, trotz Überarbeitung der Prüfungsordnung, in meinen Augen, schlichtweg eine Ausrede.

Hinweis: Nebenstehendes Fischerprüfungszeugnis wurde optisch verfremdet, damit es nicht als Fälschungsvorlage dienen kann.
Alle Angaben ohne Gewähr.

Fischerprüfungszeugnis Bonn